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Geschichte der Mühle

Für das Gebäude – 1532 erstmals als Neddermühle in Zusammenhang mit dem Prämonstratenserkloster am Heiligenberg genannt – wurde 1749 ein massives Grundwerk angelegt, zudem das Mühlenhaus repariert. 1990 folgten Restaurierungen am Rad und am Wasserzulauf. Bis 1996 wurden dort täglich drei Tonnen Getreide gemahlen. Und 2000 wurde das Haus äußerlich renoviert. „Für uns ist es natürlich ein Glück, dass die Mühle so gut erhalten ist“, findet Bea Tilanus, die schon in den Niederlanden als ehrenamtliche Müllerin aktiv war. Die Mühlentechnik sei komplett erhalten, Stromerzeugung sei möglich.

Br.-Vilsen – Die Wassermühle Bruchmühlen könnte über 200 Jahre älter sein als derzeit viele annehmen. Für die meisten gilt 1532 als das Jahr, in dem die Wassermühle erstmals urkundlich erwähnt wurde. Hartmut Bösche – geboren in Martfeld und schon seit je her an der Heimatgeschichte der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen interessiert – meint, dass ein kleiner Fehler im sogenannten Hoyaer Urkundenbuch für ein großes Missverständnis gesorgt habe.

1350 raste die Pest durch Europa. Zwanzig Jahre später zählten die Hoyaer Grafen Gerhard und Otto die ihnen verbliebenen Untertanen. Die lange Namensliste – festgehalten auf der sogenannten aus aneinandergenähten Papierstreifen bestehende Rolle 3 – blieb erhalten. Zu finden sei sie im Landesarchiv Hannover, sagt Hartmut Bösche. In dieser Liste von etwa 1370 werden auch die Betreiber von zwei Mühlen genannt: „Curd de mullere van dem hilghenberghe“ und „Johann de mullere vam hilghenbergh“. Letzterer sei nachträglich von anderer Hand – zusammen mit weiterein Namen – durchgestrichen worden. Und genau darin liege die Ursache des Missverständnisses.

Als die Liste in das Hoyaer Urkundenbuch übertragen wurde, seien die durchgestrichenen Namen nicht übernommen worden, sodass nur Müller Curd darin vorkomme. Dieser werde seitdem der Klostermühle auf dem Heiligenberg zugeordnet. Das Hoyaer Urkundenbuch werde allerdings oft als Quelle herangezogen, sodass viele Heimatforscher heutzutage davon ausgehen würden, dass es um 1370 nur eine Mühle gegeben habe, die auch in Betrieb war.

Für Hartmut Bösche steht aber fest, dass sowohl die Klostermühle als auch die Bruchmühler Wassermühle schon im 14. Jahrhundert betrieben wurden. „Beide Mühlen, die Klostermühle und die Bruchmühle, stammen sicherlich aus der ruhigeren Zeit vor der Pest, waren also vor 1350 errichtet worden“, meint er. Die Streichung von Johann habe zwar sein persönliches Schicksal betroffen – etwa durch Tod –, „nicht aber das der Mühle“, betont der gebürtige Martfelder.

Er geht sogar einen Schritt weiter: „Vermutlich saß Curd auf der unteren Mühle, auf der Bruchmühle.“ Aus der Rolle 3 gehe nämlich auch hervor, dass Curd vier und Johann dreieinhalb Schillinge Schutzgeld an die Hoyaer Grafen zahlten. Mehr Geld bedeute auch mehr Leistung. „Die untere Mühle war ertragreicher“, sagt er. Das schließe er aus Zeichnungen aus dem Jahr 1780, die ebenfalls im Landesarchiv in Hannover zu finden seien. Dort sei die Bruchmühle mit zwei Rädern dargestellt, die Klostermühle allerdings nur mit einem. „Die Bruchmühle lag niedriger und hatte einen höheren Wasserstand. Deswegen war sie leistungsstärker“, erklärt Hartmut Bösche.

Dass nun davon ausgegangen wird, dass die Bruchmühle das erste Mal 1532 erwähnt wird, sei auf der einen Seite auf den Fehler beim Übertragen der Namensliste von Rolle 3 in das Hoyaer Urkundenbuch zurückzuführen. Auf der anderen Seite sei es nach 1370 ruhig um beide Mühlen geworden. „Von beiden Wassermühlen erfahren wir danach 165 Jahre lang nichts mehr“, sagt Hartmut Bösche. Erst nach der Auflösung des Klosters Heiligenberg werden die Stiftseinkünfte aus den Mühlen, welche im 16. Jahrhundert zum Kloster gehörten, wieder schriftlich erwähnt. Aus dieser Quelle würden die meisten Heimatforscher das Alter der Bruchmühle ableiten, glaubt er.

Auch der langjährige Samtgemeindearchivar Karl Sandvoß steht hinter den Aussagen Bösches. „Im Buch ,Mühlen in Niedersachsen und Bremen‘ von Rüdiger Wormuth steht es auch so drin, wie Hartmut Bösche es erklärt“, sagt er. „Wer sich informieren will, kann dort gut nachschlagen.“

Doch aus dem kleinen Fehler von damals sei nun eben der große Irrtum der heutigen Zeit geworden, den es jetzt zu berichtigen gelte. Karl Sandvoß meint, dass dieses Unterfangen nicht gerade leicht sein werde. „Wenn ein Fehler erst einmal in der Welt ist, dann bekommt man ihn ganz schlecht wieder aus den Köpfen der Menschen heraus.“

Quellenreferenz: Kreiszeitung.de am